Spaziergang durch das andere Lübeck

Unterwegs in Sachen ‚Nebendinge’.

Engel-für-Blauen-Engel

Copyright: Jörg Sellerbeck, Lübeck

Mit Prof. Unrat durch ‚das andere Lübeck’.

Heinrich Manns Roman Professor Unrat wurde im Jahre 1905 veröffentlicht. Aus Anlass der einhundertsten Wiederkehr dieses Ereignisses produzierte das Buddenbrookhaus eine Ausstellung, die im März und April 2005 gezeigt wurde: „Aufgemerkt nun also! 100 Jahre Heinrich Manns Professor Unrat“. Bei Archivrecherchen fanden wir überraschend heraus, dass Heinrich Mann schon als junger Mann im Alter von 17 Jahren Lübecks Rotlichtmilieu besuchte. Belegt sind erste normale sinnliche Seligkeiten in einer Pension Knoop in der Webergasse. Einmal aufmerksam geworden, wurden wir mutiger und fanden in der Clemenstwiete, Lübecks sündiger Meile, das Urbild des „Blauen Engels“. Das Lokal, in dem Professor Unrat seine Künstlerin Rosa Fröhlich entdeckte und lieben lernte.

Der Spaziergang verknüpft biografische, historische und architekturgeschichtliche Informationen mit literarischen Kostproben aus dem Roman. Der Spaziergang führt von der räumlichen und sozialen Höhe der Stadt in die Unterwelt. Wir beginnen am Buddenbrookhaus mit „Nebendingen“ Christian Buddenbrooks, streifen das Katharineum, Professor Unrats Arbeitsplatz, machen Pause am Theater und streunen dann durch die Welt der Gänge und „kotigen Twieten“ am Hafen. In einer etwas breiteren steuern wir im Bogen auf ein weitläufiges Haus zu, mit ungeheurem Scheunentor, wo über dem Bilde eines blauen Engels eine Laterne schaukelt.

 

Ein Roman über Nebendinge des Lebens: Erotik, Emanzipation und Selbstbestimmung

Heinrich Manns Professor Unrat (1905)

Der Roman des älteren Bruders ist ein Gegenstück zu-Buddenbrooks: bei Thomas Mann die Welt der Bürger, bei Heinrich die Welt der unterbürgerlichen Einwohner. Gleich beim prächtigen Wohnhaus der Manns in der Beckergrube um die Ecke gab es in der Clemenstwiete seit Jahrhunderten ein Lokal mit Namen „Engel“. Als der junge Heinrich, 17 jährig, es besuchte, war es vielleicht auch schon ein Bordell. Später wurde der Engel ein Etablissement unter vielen, denn die Clemenstwiete wurde umgebaut zum Sperrbezirk. Alle im Stadtraum verstreuten „Pensionen“ wurden dort konzentriert. Man achtetet auf Hygiene. Der Volksmund nannte das Gässchen die „Kachelallee“. Heinrich gab dem Lokal den Namen Blauer Engel und siedelt im dortigen Milieu die Liebe eines erotisch erstarrten Gymnasialprofessors zu einer alleinerziehenden Tänzerin, Sängerin, Sexarbeiterin an. Eine Stadtführung durch das Lübeck des Romans führt heran an Fragen der Erotik, der Emanzipation und Selbstbestimmung vor mehr als 100 Jahren.

Dauer: 90 Minuten
Termine: Auf Anfrage bei mir (Tel. 0171-90-35-952 oder 0451-58-08-324)

Treffpunkt Buddenbrookhaus, Mengstraße 4
Zeit: frei wählbar, schön ist es zwischen frühem Abend und einbrechender Nacht
Teilnehmerzahl: ab zwei Personen bis max. 20
Preis: kostenlos; um eine Spende wird gebeten